WNOZ-20.03.31 – Aktuell im KIZ

„Viele sind ein bisschen aufgeregt“

WEINHEIM, 20.03.2021
Der entscheidende Moment: Birgit Abraham impft eine Bürgerin im Kreisimpfzentrum Weinheim. Bilder: Philipp Reimer

Weinheim. Frust in der Warteschleife der Hotline, Enttäuschung wegen der vorübergehenden Aussetzung der Impfung mit dem Präparat von AstraZeneca und Ärger wegen der uneinheitlichen Wiederaufnahme der Impfungen – seit Montagnachmittag ist eine Menge zusammengekommen bei diesem Thema. Viele Menschen treibt es schier zur Verzweiflung, dass Deutschland beim Impfen im Bummelzug sitzt, während andere Länder längst in den ICE umgestiegen sind. Das bekommen auch die Mitarbeiter im Kreisimpfzentrum (KIZ) Weinheim zu spüren, obwohl sie selbst für die chaotische Impfstrategie der Bundesregierung nichts können.

Bei einem Rundgang durch das KIZ im 3-Glocken-Center konnte sich unsere Redaktion am Montagvormittag einen eigenen Eindruck von den Abläufen machen – nur wenige Stunden vor dem vorübergehenden Impfstopp für AstraZeneca, der zunächst einmal vieles infrage stellte. Ab dem heutigen Samstag soll der Betrieb aber wieder regulär aufgenommen werden.

Was am Montagmorgen sofort auffällt: Die Kapazitäten des KIZ würden deutlich mehr Impftermine hergeben. Nur wenige Impfkabinen sind belegt, in den Gängen sieht man fast keine Menschen, dafür leere Stühle. 250 Impftermine sind am Vormittag (bis 13.30 Uhr) für AstraZeneca vergeben. Am Nachmittag wäre mit 500 Terminen für BionTech deutlich mehr los, versichert Pressesprecher Ralph Adameit. Aber mehr Impfstoff stehe einfach noch nicht zur Verfügung.

Zumindest das große Problem der Vorwoche, als viele Menschen wegen Fehlbuchungen der – von der Kassenärztlichen Vereinigung betriebenen – Hotline im KIZ abgewiesen werden mussten, trete zum Glück nicht mehr auf, erklärt Doreen Kuss, Kreis-Dezernentin für Ordnung und Gesundheit.

30 bis 45 Minuten dauert es, bis Impfberechtigte alle Stationen im KIZ durchlaufen haben. Das wirkt einerseits sehr bürokratisch, andererseits auch sehr strukturiert. Von den Stationen, an denen Bundeswehrsoldaten aus Bruchsal den Termin und die Impfberechtigung prüfen, führt der Weg zum „Kino“, wo ein kurzer Film gezeigt wird. Vor dem eigentlichen Impfen steht das Aufklärungsgespräch an. Wie die 28-jährige Ärztin Christine Schatilo berichtet, seien die allermeisten Bürger gut informiert. Viele wären auch ein bisschen aufgeregt, weil sie entweder befürchten, wegen einer Vorerkrankung doch wieder nach Hause geschickt zu werden, oder weil sie einfach Angst vor der Spritze haben. Nur selten komme es vor, dass jemand darum bittet, den Impfstoff zu wechseln.

Schichtleiterin Silvia Felt-Balbach, die wie viele ihrer Kollegen im KIZ über einen Personaldienstleister angestellt ist, macht deutlich: „Das ist vom Ablauf her einfach nicht möglich.“ Warum das so ist, wird beim Blick in die streng abgeschirmte „Apotheke“ deutlich, wo Silvia Kreimes gerade Impfdosen von AstraZeneca aufzieht. „Das ist viel leichter als bei BionTech“, ist sie sich mit ihrer Kollegin Birgit Abraham einig, mit der sie sich beim Impfen und in der Apotheke abwechselt. „Wir bezeichnen BionTech gerne als Mimosen-Impfstoff“, sagt Birgit Abraham und schmunzelt. Denn er darf nicht geschüttelt werden und muss mit Kochsalzlösung verdünnt werden, die man aber auch nicht einfach hineinschütten darf, sondern an der Glaswand entlang vorsichtig einfließen lassen muss. „Auf die Schnelle den Impfstoff zu wechseln, ist da einfach nicht drin.“ pro


Der Impfstoff von AstraZeneca darf in Deutschland wieder verimpft werden. Im Zentralen Impfzentrum in Heidelberg hat der Rhein-Neckar-Kreis damit am Freitag auch begonnen. In den Kreisimpfzentren in Weinheim und Sinsheim werden Impfungen mit AstraZeneca ab dem heutigen Samstag wieder durchgeführt.

Das teilte der Kreis am Freitag mit: „Für Personen, die ab Samstag in den beiden Kreisimpfzentren in Weinheim und Sinsheim ursprünglich einen AstraZeneca-Termin gebucht hatten, findet dieser statt. Bedingung ist, dass sowohl die Terminbestätigung als auch die Bescheinigungen über die aktuelle Impfberechtigung zum Termin mitgebracht werden.“

Wenn dieser Termin nicht wahrgenommen werden kann, muss über die Hotline 116 117 oder unter www.impfterminservice.de ein neuer Termin vereinbart werden.

Das baden-württembergische Sozialministerium teilte ferner mit: „Die zentrale Terminvergabe bleibt vorerst weiterhin geschlossen. Die Termine, die zurzeit verfügbar sind, werden zunächst den Menschen auf der Warteliste angeboten, also Menschen über 80 und über 65 aus den besonders gefährdeten Berufsgruppen der ersten Priorität.“

Außerdem erhalten die Personen, deren Termin Anfang der Woche durch den Impfstopp für AstraZeneca abgesagt werden musste und deren Daten auf die Warteliste genommen werden konnten, ein Terminangebot. Sobald diese einen Termin erhalten haben, wird die zentrale Terminvergabe wieder freigeschaltet.